Rusty

Skivapčići

Wortspiel aus Mottocross, geschrieben von Rusty am 9. März 2006

Seit Jahren hatte er das Gaunertal nicht mehr verlassen, wo er Waldarbeiten mit einigen anderen Exsträflingen verrichtete. Doch nun, als er lechzend vor ihnen im Stübai stand, zitterte das ganze Völkl wie Aspenlaub. Vielleicht wollte er ja bloß wissen, ob as Dorf noch stand und ob man sich seiner noch erinnerte. Doch – und das war eigentlich allen klar – sein Auftauchen bedeutete nichts Gutes. Er verlor keine Zeit, diesen allgemeinen Verdacht zu bestätigen: „Leer Moos rein!” forderte er die Wirtin auf und bedrohte sie mit einem Messer. Diese stammelte einige unverständliche Worte, die offenbar ihrem Widerwillen Ausdruck verleihen sollten. „Gstaad jetzt!” brüllte er und verlieh seiner Drohung Nachdruck, indem er ihrem Mann das Messer an die Kehle hielt: „Her mit dem Geld, oder du kannst zuschaun, wie ich Dein’ Mo ritz! Und zwar da, wo’s wehtut …”

Ängstlich rückte die Wirtin einige Hundert Euro raus. „Ich dachte da meran 2000!” fauchte Peter. „Schnals halt, ich hab nicht mehr!” gab sie mit unerwartetem Mut zurück. Neben ihr saas Felix, der breitschultrige Zuhälter und ehemaliger Söldener: „Jetza beruhig dich erstmal, i zeig dir wo a Rockys!” Sichtlich erfreut über die in Aussicht gestellten Liebesdienste ließ Peter vom Wirt ab, an dessen Hals sich bereits arosa Streif gebildet hatte. Von seinem Wohltäter begleitet verließ er das Wirtshaus. „Sie sankt an Ton und ich komm wieder …” warnte er noch die Anwesenden. Die Wirtin hingegen beschloss in ihrem Schrecken: „Heut solln a mal die Kids spüln!".

Laax woran auch immer, aber Peter verschmähte sämtliche ihm angebotenen, sich hinter zarten Gardinen auf Betten räkelnden Frauen, von denen eine im Haar nen Kamm trug, der so klein war, dass man sich fragte: kann da Haar überhaupt gekämmt werden? „Hast koa Tina da am Bett so?” fragte er, sich an seine Jugendzeiten erinnernd, als er ganze Nächte mit jener Dirne verbracht hatte. Der Gedanke an ihre Titt ließ ihn aufseufzen. Sofort verstehend führte der Zuhälter ihn aus dem Bordell ins Freie und bald gelangte man zu einem kleinen Bootsanleger, wo viele lange dunkle Fische einen Aalberg bildeten. Tina, telefonisch informiert, wartete bereits. Doch nicht nur sie. Der Dorfpfarrer, mit einer kleinen Putte bewaffnet, stand ebenfalls dort und suchte die abtrünnige Magdalena von der Keuschheit zu überzeugen. In Rage geraten entriss Peter ihm die Statuette und hielt sie drohend übers Wasser: „Na? Was machst jetzt, wenn er in See fällt? Glaubst wirklich, dass ich dir dann den Engel berg?”. Von seiner doch noch vorhandenen Gottesfürchtigkeit übermannt gab er dem Pfarrer die Putte letztlich aber zurück und schickte ihn fort mit den Worten: „Pass auf, dass ich nan beim nächsten Mal nicht bis zum Saalbach hinterglemm!".

Endlich ungestört widmete er sich nun der lange vermissten und nun endlich in Reichweite gelangten Tina. Begeistert von dem Respekt, den er dem Dorf offenbar immer noch einjagte, wähnte er auch seine Manneskraft in ungeahnten Höhen. Doch das Vergnügen hielt nicht lang, denn die Falle war zugeschnappt: das ganze Dorf, Felix an seiner Zugspitze, stürmte die Kajüte von Tinas Hausboot, überwältigte Peter und steckte ihn in eine Zell am See.

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